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  • AutorenbildLouisa Schumacher

Juicy Beats: Zwischen Sommer-Sounds und tanzen im Regen

Ein persönlicher Nachbericht von Louisa Schumacher

Der Westfalenpark in Dortmund verwandelt sich für ein Wochenende im Sommer in ein Meer aus Früchten, während Musik von 7 Live-Stages und 20 Floors dröhnt. Das Juicy Beats Festival lockte am 28. und 29. Juni 44.000 Besucher*innen ins Ruhrgebiet, die ausgelassen feiern wollen. Tagsüber ist es heiß, wenn die Sonne durch die Wolken bricht, zwischendurch wird der Regenponcho ausgepackt und ungestört weiter getanzt.


Kaum angekommen studiere ich mit meinen Freundinnen den Geländeplan und wir besprechen unseren Tag. Alle Bühnen und Floors sind nach Früchten benannt und Tag eins beginnt für mich bei der Himbeere, wo “KAFVKA” die zweite Mainstage eröffnet. Es ist früh und das Publikum noch nicht ganz warm getanzt, aber zum Ende des Sets sind sich alle einig und heben zustimmend die Mittelfinger zu dem Song “Alle Hassen Nazis”. Die Berliner Band und auch viele weitere Acts setzen auf der Stage an diesem Wochenende politische Statements, was im Publikum für Applaus sorgt. Die Atmosphäre beim Juicy Beats nehme ich als sehr offen und freundlich auf.

Es ist Zeit, ein bisschen das Gelände zu erkunden! Ich bin in der Nähe von Dortmund aufgewachsen, also ist der Westfalenpark mir nicht fremd. Bei einem Festival sieht alles aber irgendwie anders aus und auf der Suche nach der Ananas vergehen einige Minuten. Dort spielt die Techno DJane “CLAUSH” an einer Bühne mit Palmen und Cocktail Stand. Es riecht nach Rohrzucker und Limetten und ich höre für ein paar Tracks zu, welche sie live von Schallplatten spielt. Genug Platz zum Tanzen habe ich definitiv, denn leider hat sich noch kaum jemand an die abgelegene Bühne verlaufen. Auf der zentral gelegenen DJ-Stage beim Juicy Beats legen bis auf eine Ausnahme an beiden Tagen nur Männer auf. Ich gehe etwas bedrückt mit dem Gedanken im Kopf, dass CLAUSH dort auch einen Platz verdient hätte.


Im Anschluss ziehe ich weiter zur Orange. Schon länger wollte ich “Eli Preiss” live sehen und nun ist es endlich so weit. Als ich bei der Stage ankomme, bin ich erneut überrascht, wie wenige Besucher*innen dort sind. Die Künstlerin bedankt sich mehrfach bei allen die gekommen sind und ist sich der vorwiegend männlichen “Konkurrenz” auf dem Line Up bewusst. Eli Preiss liefert wirklich eine extrem gute Show ab. Sie tanzt und rappt, als würde sie die Mainstage rocken und ich bin mir sicher, dass sie an diesem Tag so einige neue Fans dazu gewonnen hat. Zum Ende der Show nutzt Eli die Pause zwischen Songs, um über die Erfahrungen von FLINTA* Acts in der Musik Branche zu reden. “Wir müssen immer zweimal so laut schreien und doppelt so oft Nein sagen und das nervt. Darüber habe ich einen Song geschrieben.” Mein Flutwelle-Herz brennt und die ersten Töne von “GLÜHHEISSE WÜSTE” erklingen.


Im Anschluss sprinte ich zur Mainstage, dem Apfel, um noch die restlichen Minuten vom “01099” Set zu sehen. Ich habe gefunden, wo all die Besucher*innen geblieben sind. Vor der Mainstage tummeln sich tausende Menschen. In den ersten Wellenbrecher wird schon niemand mehr reingelassen. Ich beobachte also von außen die “Schlagerstrudel”, welche die Dresdener Rap Crew zur Abwechslung zu den vielen Moshpits einfordert. Die Stimmung ist ausgelassen, Paul haut ein Saxophon Solo raus und das Publikum tanzt sich warm.

Im Anschluss übernimmt “Nina Chuba” die Bühne und die Sonne kommt raus. Spätestens jetzt bin ich im Festival Feeling angekommen. Vor der Mainstage ist es nun brechend voll, ich schaue aus der Ferne zu, aber auch im hinteren Bereich ist die Stimmung super gut. Nina bringt so viel Energie auf die Bühne, dass einfach mitgetanzt werden muss. Das Set ist eine Stunde lang und von ruhigen Songs bis zu ihren größten Hits alles dabei. Zum Abschluss spielt Nina Chuba noch ihren bisher unreleased.

Song “Waldbrand” und selbst jetzt beim Schreiben habe ich noch einen Ohrwurm. Die Menge springt und die Künstlerin holt noch eine Menge Freund*innen auf die Bühne für den Tanz zu diesem Song. Ich wünschte, das Set wäre noch länger, aber man soll ja aufhören wenn’s am schönsten ist.

“Kraftklub” schließt am Freitag die Mainstage und ich schaffe es noch ein gutes Stück näher an die Bühne zu kommen. Die Chemnitzer Band habe ich zuletzt in 2017 gesehen, also bin ich sehr gespannt, wie es dieses Mal wird. Das Publikum um mich herum ist ähnlich aufgeregt. Moshpits werden geplant, über die Setlist wird spekuliert und Treffpunkte werden verabredet, falls die Gruppe sich bei der Show verliert. Als es dann endlich losgeht war die Stimmung von der ersten Sekunde völlig ausgelassen. Alle singen, tanzen und Kreise öffnen sich in der Menge. Ein Glücksrad rollt auf die Bühne und bestimmt den nächsten Song. Ich hoffe auf “Blau”, es wird aber “Irgendeine Nummer”, völlig egal, denn die Songs und die Stimmung sind so oder so gut. Sänger Felix ist selbst begeistert von der Energie des Publikums und schwelgt in Nostalgie von Kraftklubs ersten Juicy Beats Auftritt in 2011. Damals noch auf einer wesentlich kleineren Stage. Noch begeisterter ist er von der Reaktion des Publikums auf seine Rede, in der er vom Rechtsextremismus Problem in Chemnitz als auch in Dortmund berichtet. “Traurig, dass wir diese Sache gemeinsam haben”, sagt der Sänger. Das Publikum schreit minutenlang “Nazis Raus” und Felix bedankt sich. “Es ist wichtig, eine Haltung zu haben und diese auf einem Musikfestival zu vertreten, wo die meisten nur zum Spaß und Entertainment hingehen”, dies hält er nicht für selbstverständlich. Kraftklub Shows sind auch sechs Jahre später noch genau so toll wie ich sie in Erinnerung hatte. Nach einigen Moshpits und Bierduschen ist das Set schließlich mit einem Konfetti-Regen vorbei und ich gehe sehr glücklich aus der Crowd.

Nach einer Erholungspause bin ich bereit für “Modular”, welche um Mitternacht spielen sollte, was aber wortwörtlich ins Wasser fällt. Es erreicht uns eine Durchsage, dass wir den Park sofort räumen müssen, um alle sicher zu evakuieren. Das Festivalgelände wird erfolgreich geräumt und so nimmt der Tag ein frühes Ende und im strömenden Regen geht es nach Hause.

Tag zwei sollte eigentlich ruhig beginnen, doch “Ski Aggu” wurde kurzfristig auf die Mainstage verlegt, also geht es um 14 Uhr zum Apfel. Die Sonne scheint wieder und das Festival kann weitergeführt werden. Für diese frühe Uhrzeit ist es erstaunlich voll und der Berliner Rapper schafft es, das doch teilweise noch müde und verkaterte Publikum zu motivieren. Die von gestern schlammige Wiese wird würdig eingeweiht für Tag zwei.


Heute habe ich weniger Künstler*innen auf meinem Plan und ich nehme mir vor endlich auch das Rahmenprogramm auszuchecken. Es gibt (unendlich viele) Glücksräder mit Gewinnen, Sportaktionen, eine Kreativmeile mit verschiedenen Shops, Karaoke und vieles mehr. Für zwei Tage und bei relativ langen Schlangen ist es kaum möglich, alles auf dem Juicy Beats zu erleben, aber ich gebe alles. Meine Begleitungen und ich gewinnen Glitzer, ein Klebe-Tattoo, einen Longdrink und einen Fruchtbecher. Danach waren wir bestens ausgestattet für die kommenden Stunden.


An der Ananas Stage lasse ich mich von den Indie Klängen der Band “Loki” verzaubern. Eine halbe Stunde genieße ich hier die entspannte Atmosphäre, bis ich mich auf den Weg zu den “Bierbabes” mache. Ich unterschätze mal wieder die Strecken im Park und meinen zusätzlichen Muskelkater (Kraftklub Shows sind halt ein richtiges Workout!). Als ich ankomme, hat die Show schon begonnen. Das Selbsternannte “Saufpop Duo” aus Leipzig macht ihrem Ruf alle Ehre, denn die beiden kommen nicht ohne Trichter zu einer Show und die erste Reihe freut sich über Freibier. Ich schau mir das Spektakel eine Weile von Weitem an, hole mir Snacks und schlendere zurück zur Ananas. Dort spielen den ganzen Tag Indie-Artists und ich fühle mich bestens aufgehoben! Die Jungs von “Bilbao” schaffen es, die Besucher*innen aus dem trockenen Unterstand in ihre Regenponchos zu bewegen.

Das Publikum vor der Bühne haben sie sich wirklich hart erarbeitet, doch bei Feelgood-Indie kann man einfach nicht Nein sagen. Als Nächstes steht Philine Sonny auf meinem Plan. Ihr Indie-Rock lockt viele Menschen an und ich bin überrascht, wie schnell eine Stunde verfliegt. Philine und ihre Band sind super sympathisch und verkaufen sogar nach der Show noch Merch. Es bildet sich eine lange Schlange und die Fans machen euphorisch Fotos und decken sich mit T-Shirts ein.

Die Blicke richten sich nach oben, denn über dem Juicy Beats Festival strahlt ein heller doppelter Regenbogen. Ich mache schnell ein paar Fotos und schaue, was der Timetable so hergibt. Auf zur Honigmelone, denn dort gibt’s Techno und meine Freundinnen und ich wollen tanzen. Bunte Fähnchen und Girlanden sind über die Stage am Seerosenteich gespannt und Ballons in Fruchtform kreieren eine sommerliche Atmosphäre. Später bei Lari Luke, welche die zweite Main Stage übernimmt, tanzen tausende Menschen im Regen. Die DJane ist begeistert wie viele Leute gekommen sind, um mit ihr zu feiern und belohnt alle anwesenden mit einer krassen Techno Show, Konfetti und einer Menge Bühnenenergie.


Es ist der letzte Abend, also wollen wir weiter feiern, nach dem Set holen wir und also Kopfhörer und stürzen uns in Deutschlands größte Silent Disco. Von außen betrachtet und vor allem ohne Sound sieht das ziemlich witzig aus, aber sobald ich die Kopfhörer aufsetze, verstehe ich den Hype. Auf drei Bühnen spielen DJs Live die Tracks ein und es kann selber zwischen den Kanälen hin und her geschaltet werden. Es wird ungestört laut mitgesungen und wer Glück hat, findet sogar einen Silent Disco Moshpit. Die Besucher*innen tanzen bis 3 Uhr in die Nacht fahren dann nass und glücklich wieder nach Hause.


Das Juicy Beats Festival holte dieses Jahr wieder erstaunliche Musik-Größen in den Ruhrpott. Das Line-Up kann jedoch noch wesentlich mehr FLINTA* Artists vertragen, vor allem auf den großen und zentralen Bühnen! Ich hatte ein wundervolles Festival mit toller Atmosphäre und verarbeite noch alle Eindrücke der zwei Tage. Was ich definitiv schon weiß, ist, dass ich nächstes Jahr wieder am Start sein werde, denn Sommer und Juicy Beats gehören für mich einfach zusammen.

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