top of page
  • AutorenbildSelli Hahn

Betterov: "wenn es ein Wort sein soll, wie es mir aktuell geht, dann wäre das wohl aufgeregt"

Betterov im Flutwelle-Interview mit Selli Hahn

credits: Rebecca Kraemer

Manuel Bittorf besser bekannt unter dem Namen Betterov ist gerade wirklich in aller Munde in der deutschen Musikszene. Sein Debütalbum „Olymipa“ veröffentlichte der Musiker am 14.10.2022 und lässt seine Hörer:innen tief in seine innere Gefühlswelt eintauchen. Wer von uns bleibt nicht manchmal stundenlang vor YouTube oder Social Media kleben und vergisst die Realität um sich? - Richtig jede:r. Betterov geht mit seinen Songs in die Tiefe, sowohl soundtechnisch als auch textlich und versucht Themen wie Mental Health zu enttabuisieren.


Das Album umfasst 13 Tracks, welche zu einer Zeit entstanden sind, in der sich der Musiker lange mit sich selbst und seinen Gedanken beschäftigt hat. Im Interview kurz vor dem Album-Release erzählte er, wie es zu dem Album kam, warum die Pandemie so eine wichtige Rolle für das Ganze gespielt hat und wieso Tiramisu eine noch viel tiefer gehende Bedeutung hat, als wir alle denken.

Wie gehts dir damit, dein Debütalbum bald zu veröffentlichen?


Das ist alles super aufregend! Ich freue mich sehr darauf, ein Album zu veröffentlichen, weil man viel mehr Zeit hat, Themen zu behandeln und Dinge zu beleuchten. Wenn es ein Wort sein soll, wie es mir aktuell geht, dann wäre das wohl aufgeregt!


Das glaub ich dir sofort. Du hast auf deinem Album ein Intro und ein Outro und ich bin großer Fan davon, weil es ein sanfter Einstieg ist und ein perfekt abschließendes Ende. Hast du das bewusst so gewählt und wenn ja, wieso?


Ja, das war mir sehr wichtig! Als ich wusste, wie das Album heißen soll und wusste, worauf ich hinarbeite. Das weiß man ja am Anfang immer gar nicht so genau und das kam erst on the run, wie genau ich mir das alles vorstelle. Als ich das wusste, war mir sofort klar, dass ich gerne eine Klammer darum haben will, die einen Einstieg in die Platte und in die Soundwelt des Albums gibt.


Magst du bisschen was zum Entstehungsprozess erzählen?


Der Albumentstehungsprozess war unüblich lang, wobei wahrscheinlich auch nicht. Ich würde jetzt mal sagen, es ist nicht schnell entstanden und ich habe mir sehr viel Zeit während Corona genommen. Ich wollte genau schauen, was ich mit der gewonnenen Zeit anfangen kann und was ich daraus ziehen kann. Ich habe dann für mich irgendwann gemerkt, dass ich nochmal Zeit habe, mich mit meinem Sound und meiner Musik zu befassen. Wie möchte ich klingen? Was sind Themen, die mich interessieren? Wie soll das alles sein? Das hat mir extrem gut getan und meiner Meinung nach hört man das der Platte auch an. Das ich zum einen viel geschrieben habe und viel auch wieder verworfen habe. Mir ging es während den Lockdowns meist sehr schlecht, weil meine komplette Branche zusammengebrochen ist. Und mit dem Struggle, dass man Familie und Freunde nicht mehr sehen konnte, war das alles sehr sehr schwer. Für mich ist das Thema Mental Health so präsent gewesen, da war klar, dass ich auch auf dem Album davon erzählen muss. Ich wollte aus etwas Destruktivem dann einfach etwas Schönes machen – und zwar Musik!


Ich finds richtig schön zu hören, dass du trotz der schweren Coronaphase etwas Positives für dich aus all dem ziehen konntest. Auch wenn das Album textlich gesehen sehr schwer und tiefgründig ist, waren die ersten Reaktionen zu den Singles ja sehr positiv. Auch wenn immer alle so tun, als wäre alles cool, kennt dennoch jede:r die Gefühle, die du beschreibst.


Ja, total! Viele können sich da sicherlich wiederfinden, aber auch neuentdeckten und Hoffnung schöpfen. Das war mir auch sehr wichtig.


Das glaub ich auch. Ist es dir denn schwergefallen die Songs zu schreiben?


Schwer würde ich nicht sagen, aber ich würde schon sagen, dass es eine Aufgabe ist, Dinge zu beschreiben. Der Text wird umso besser, je mehr man es nailed und das ist immer die große Herausforderung. Die macht mir aber auch immer sehr viel Spaß, dass ich mich jetzt schwergetan habe, würde ich deswegen nicht sagen. Man probiert natürlich ganz viel. Das mag ich sehr gerne, auch wenn das vielen vielleicht anders geht und die erste Idee manchmal nicht die Beste ist, sondern die Sechzehnte. Das macht es auch so spannend. Mir hat das super viel gegeben.

credits: Rebecca Kraemer

Das ist wirklich schön zu hören. Wann hast du denn das Album fertiggemacht, dass du wusstest, so willst du es jetzt veröffentlichen?


Ich glaube, ich war so richtig fix im März dieses Jahres.


Den Punkt finde ich immer total erstaunlich, weil als Künstler:in steckt man so viel Zeit in den Entstehungsprozess und irgendwann ist es dann fertig, aber man wartet dann noch Monate, bis die Leute es hören können. Die direkte Reaktion ist dann immer sehr verzögert. Du freust dich aber sicherlich auf das Feedback, das du bald bekommen wirst oder?


Ja total! Man hat einfach einen Vorsprung als Künstler:in und kennt jeden Winkel der Songs. Da ist die Reaktion der Außenwelt natürlich unfassbar spannend. Ich freue mich sehr es bald allen zeigen zu können.


„Bring mich nach Hause“ ist einer meiner liebsten Songs vom Album und in dem Musikvideo ist Drangsal zu sehen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen euch beiden und wie entstand die Videoidee?


Drangsal habe ich gefragt, weil wir schon länger in Kontakt standen und schon länger den Plan verfolgt haben, etwas zusammen zu machen. Dann kam es zu dem Musikvideodreh und ich hatte dieses Gefühl, Max jetzt anrufen zu müssen. Er hat dann glücklicherweise ja gesagt. Ursprünglicher Weise war es so geplant, dass Drangsal das Taxi fahren sollte und ich hinten mitfahre. Max hat aber leider keinen Führerschein und wir wollten natürlich nicht gegen die STVO verstoßen (lacht). Deshalb haben wir das kurzerhand umgedreht. Die Videoidee selbst ist natürlich sehr durch die Lyrics geprägt. Das es eine Taxifahrt wird, war von Anfang an klar. Wir haben dann versucht, einen sehr blurry Abend zu gestalten und ein wenig mit der betrunkenen Optik zu spielen. Daraus ist dann auch das Video so entstanden, wie es jetzt ist.

Du hast dieses Jahr beim Reeperbahnfestival mit deinen Friends (Paula Hartmann, Novaa, Fil Bo Riva und Olli Schulz) in der St. Michaelis Kirche ein sehr schönes Konzert gespielt, über das man von allen Seiten nur positives gehört hat. Wie hat es sich für dich angefühlt, in so einem ungewöhnlichen Setting zu spielen?


Das war etwas total Besonderes, alleine dort spielen zu dürfen, war mir eine unfassbare Ehre, weil es ein Wahrzeichen von Hamburg ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich noch etwas Zeit brauche, den Abend zu verarbeiten. Alleine Kirchen sind von der Akustik etwas so Besonderes. Diese Orte sind darauf ausgelegt, dass dort eine bestimmte Art von Musik gespielt wird und es entsteht extrem viel Hall in dem Raum. Tim Tautorat und Dennis Borger haben wundervolle Arrangements für die Akustik erstellt. Das war ein unfassbar schönes Klangerlebnis und dazu dann noch die Gäst:innen des Abends, von denen ich selbst großer Fan bin – unglaublich! Ich bin wirklich sehr positiv überwältigt von diesem Abend.


In deiner Erzählung grade klingst du auch wirklich sehr happy damit! Freut mich, dass es für dich genauso schön war wie für die Besucher:innen. Wenn wir schon beim live spielen sind: Du gehst jetzt dann auf deine erste große Solotour. Welches Gefühl gibt dir live spielen?


Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl! Es ist eine 360-Grad-Erfahrung, weil man eben mit der Band durch Deutschland fährt, unfassbar viele neue Leute kennenlernt und so viel Neues sieht. Es ist ein riesiges Privileg in den unterschiedlichsten Städten Konzerte spielen zu dürfen und dann kommen auch noch Leute zu den Shows. Das ist total besonders! Ich ziehe daraus noch mal eine ganz andere Kraft, weil man erst sieht, wie Songs dann live wirklich funktionieren.

credits: Rebecca Kraemer

Wenn du jetzt wie bei den olympischen Spielen eine Siegerehrung für deine aktuellen Lieblingsartists abgeben müsstest. Welche drei wären es? Die Reihenfolge spielt keine Rolle.


Ich gehe heute Abend auf das Konzert von Luke Noa, Brockhoff und Pano. Die zählen wir jetzt nur als einen Artist, empfehle ich aber sehr! Gerade höre ich total viel Joni Mitchell, sie ist eine Folk Sängerin aus den 60iger Jahren und ich finde das total spannend und komm davon gerade gar nicht weg. Was man sich auch noch unbedingt anhören sollte, ist Stella Donnelly.


Last but not least stelle ich immer die folgende Frage: Hast du irgendeinen Tipp, Ratschlag, Lifehack etc. den unsere Leser:innen unbedingt kennen sollten?


Oh ja, da hab ich was! Leute Tiramisu! Ich dachte immer, das soll lustig klingen und ist einfach der Name dieser Nachspeise, aber Tiramisu heißt tatsächlich was. Tira ist der Imperativ von tirare = ziehen, mi heißt mich und su heißt hoch. Also steht Tiramisu für Zieh mich hoch! Das heißt so, weil man Tiramisu am Ende des Abends als Nachtisch ist und einen das wieder hochziehen soll. Das hat mein Leben komplett verändert, als ich diese Information auf einmal hatte – ehrlich!

Comments


bottom of page